Archive for the 'Meer' Category

Wochenende im Industriegebiet

---> Wo ist das?

Tuesday, January 30th, 2007 Latitude: 51.898621N Longitude: 4.343376E

Gestern nachmittag zurückgekommen aus Rotterdam, wo wir das Filmfestival besucht haben. Bemerkenswert hässliche Stadt, die vor allem praktische Architektur und einen beeindruckend riesigen Hafen bietet. Der allerdings lebt inzwischen zuvorderts von Containern und Chemikalien, was kaum Hafenromantik aufkommen lässt. Beeindruckenderweise wissen die Rotterdamer das entweder zu kompensieren: Indem sie einfach so tun, als bräuchte es all dies gar nicht: Statt dessen machen sie das beste aus ihrer mißlichen Lage, im wahrsten Sinne des Wortes. Als Bildbeweis meiner Behauptung eine Ablichtung des Deltahotels in Vlaardingen, in dem wir genächtigt haben.

2007_01_29_09_40_14_vlaardingen_netherlands Zimmer mit Blick auf’s Wasser kosten ca 20% mehr, es gibt auch Suiten mit Balkon, damit man nicht nur die Raffinerien am gegenüberliegenden Ufer sehen, sondern auch eigens riechen kann. Die lokale Bevölkerung nutzt die Panoramabar (links im Bild), um wochenends bei Kaffee und Kuchen den Globalisierungskähnen hinterherzuträumen. Sehenswert!

Der mit den Haien schwimmt

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Thursday, October 27th, 2005 Latitude: -3.801225S Longitude: 32.404175W

hai 1 Heute war ich schnorcheln an einer Stelle, an der man eigentlich mit den Schildkröten schwimmen kann. Statt dessen war ich komplett überrascht, als im Wasser ein etwa armlanger Hai auf mich zukam. Ich war vollkommen perplex, versuchte meine Kamera in Position zu bringen und gleichzeitig den Hai nicht aus den Augen zu verlieren. Unglaubliches Gefühl, mit all diesen Tieren einfach gemeinsam in den Wellen hin und her zu schweben. Der Hai war weg, war mit mörderischer Eleganz davon geschwommen, jede Verfolgung trotz deutlich größerer Flossen an meinen Füßen wäre lächerlich gewesen. Am Ende gab es doch noch Hai-Bilder, zwei weitere Exemplare warteten auf mich, als ich schon ermüdet vom Salzwasser-Schlucken durch den ewig zu kurzen Schnorchel aufs Ufer zusteuerte.

“Rost schläft nicht” (Neil Young)

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Thursday, October 27th, 2005 Latitude: -3.823149S Longitude: 32.365723W

rost

Fernando de Noronha, Oktober, 2005.

Das kleine Archipel, eine der ersten Entdeckungen Amerigo Vespuccis, dem Namenspatron des amerikanischen Kontinentes, liegt nur scheinbar mitten im Nirgendwo. Nicht das Ende, der Anfang der Neuen Welt liegt hier, zumindest deren Südliche Teile. Holländer, Franzosen, Deutsche, Portugiesen haben hier ihre Spuren hinterlassen, heute, nach 500 Jahren gehören die Inseln zu Brasilien. Der Flug, die teure Lebenshaltung, eine Art Naturpark-Steuer, all das führt dazu, dass Fernando de Noronha nicht überlaufen ist, sondern gemessen an der heutigen Massenmobilität immer noch sehr zurückhaltend besucht wird. Brasilianer mit Geld, Spanier, Italiener, einige wenige Deutsche, Holländer, Engländer. Alle untergebracht in kleinen Pensionen, nirgendwo Hotels oder ähnlich touristische Unbilden.

Manche Strände hat man für sich, andere teilt man mit 10 oder 20 anderen Menschen. Tauchen, Surfen und die Natur genießen sind die Hauptbetätigungen, abends trifft man sich in der Bar de Cachorro, der Hundebar, die nach dem gleichnamigen Strand benannt ist (und deren Drinks alle nach Hunderassen benannt sind, aber immer die gleiche Wirkung haben: als habe einen eine Dänische Dogge umgerannt…)

fdh

Vor etwa 10 Jahren habe ich zum ersten mal davon gehört, in einem Buch des schwedischen Journalisten Tord Wallström, “Atlantens Öar”. Wallström hatte die wichtigsten Inseln im atlantischen Ozean besucht und beschrieben. Mich faszinierte seine Beschreibung dieser Inseln, die im für das vergangene Jahrtausend sicher wichtigsten geografischen Raum liegen und heute so vergessen sind, überrannt von der Beschleunigung der Zeit. Zu Wallströms Zeit galt das sicher noch vielmehr. Heute sind die meisten dieser Inseln längst wieder angeschlossen ans globale Treiben, erreichen einen Anrufe aufs Mobiltelefon hier wie überall, ermöglichen Geldautomaten und Kreditkartenterminale den sekundenschnellen Geldtransfer, erreichen Texte wie dieser per Satellit und Internet die Aussenwelt – doch diese Unterscheidung ist längst am Verschwinden.

Webseite von Tord Wallström (på svenska)

Surfen

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Thursday, October 27th, 2005 Latitude: -3.801225S Longitude: 32.404175W

Inzwischen kann man auch in Fernando de Noronha surfen. Also, im Internet. Per Satellit. Man kann auch Wellenreiten. Wenn man es kann. Und dann ist das hier offensichtlich einer der besseren Plätze am Atlantik, mit 5 Meter hohen Wellen. Ich werde meine Ambitionen unterdrücken und erst einmal Lehrstunden nehmen. Man muss nicht alles selber können, wichtige Erkenntnis meines späten Erwachsenwerdens.

Man wird allerdings nie die Eleganz erreichen, mit der dir Fregattvögel dieser – und vermutlich auch anderer Inseln die Wellen nutzen, um vorwärts zu kommen. Es gibt in der Aerodynamik den Begriff des Boden-Luft Effektes. Der tritt dann ein, wenn ein Flügel mit geringer Höhe über eine Oberfläche gleitet. Durch den Boden-Luft-Effekt wird nun der Auftrieb verstärkt, da die Luft zwischen der Fläche und dem Flügel verdichtet wird. Beim Landen von Flugzeugen ist das ein Problem, dem mit Landeklappen beizukommen ist. Es gibt auch Fluggeräte, die speziell diesen Effekt nutzen, erlaubt er doch ein energiesparendes Vorrankommen.

fregattvogel

Die Fregattvögel nutzen diesen Effekt, in dem sie nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche hunderte von Metern weit dahingleiten. Verstärkt wird der Effekt noch durch die Aufwinde, die an den Wellenkämmen entstehen, weil diese ja die Luft verdrängen, durch die sie hindurch zum Ufer rollen. Das Schauspiel ist faszinierend: Der Vogel gleitet an eine perfekt geformte Welle heran, sobald sich diese in Strandnähe etwas erhebt. Dann gleitet er deren Wellenkamm entlang, immer so nahe an der Wasseroberfläche, wie nur denkbar. Sobald die Welle bricht und die Gischt den Vogel bedroht, schraubt er sich wie ein todesmutiger Kunstflieger zu Seite oder nach oben weg.

Man kann in Noronha surfen. Die Vögel haben die Messlatte zum Meister hoch angelegt.

Forró vor den Hunden

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Thursday, October 27th, 2005 Latitude: -3.801225S Longitude: 32.404175W

forro 1Eine der besten Stellen, um Forró zu tanzen, scheint mir diese: Die Bar do Cachorro, die Hundebar im Vila dos Rémedios, was vom Kleinen Larousse der portugiesisch-brasilianischen Sprache immerhin als die Hauptstadt des (ehemaligen) Territoriums Fernando de Noronha genannt wird. Diese Zeiten sind vorbei, das Dorf (port. Vila) ist ein Dorf. Und die Bar ist vermutlich der östlichste Punkt dieser Erde, auf dem man Forró tanzen kann unter freiem Himmel und auf brasilianischem Boden.

Nicht dass es die beste Stelle wäre, was die Anzahl und das Können der Tänzerinnen angeht. Die meisten sind aus der brasilianischen Oberschicht in São Pauli oder Rio und haben mit diesem Tanz für “Dienstmädchen und Taxifahrer” wenig am Hut. Es ist einfach ein wunderbarer Ort, weil die Zahl der Sterne ins Endlose geht, die Stimmung ausgelassen ist und weil einer der hier ansässigen, Pedro Miguel, ein wahrer Meister und seine Partnerin (die für den Tanzboden…) sowohl unbewegt als auch auf der Tanzfläche eine Augenweide ist.

forro 2

Forró stammt angeblich von dem englischen Ausdruck: “For all” statt, es sei eine Veranstaltung für alle. Der Legende nach waren es entweder englische Kautschuk oder Eisenbahn-Gesellschaften oder im Nordosten stationierte US-Soldaten des zweiten Weltkrieges, die diese Tanzabende “Für alle!” durchgeführt haben. Ich halte inzwischen letztere Theorie für die wahrscheinlichere. Auch hier auf Fernando de Noronha gab es solche Soldatencamps im zweiten Weltkrieg. Dass wir es bei den Tanzabenden in der “Hundebar“ mit einer ununterbrochenen Tardition zu tun haben, ist allerdings mehr als unwahrscheinlich.

Gespielt wird Forró klassischerweise mit einem Akkordeon, einer Triangel und der Basstrommel, genannt Zabumba (klingt genauso!). Heute ist die elektrisierende Musik längst elektriifiziert, werden E-Gitarren, Bassgitarren und Schlagzeug hinzugenommen, mischen sich karibische Einflüsse mit dem Original des nordostbrasilianischen Hinterlandes. In Brasilien füllt Forró inzwischen längst die Tanzhallen, weil er das bietet, was die wenigsten brasilianischen Tänze haben: Er ist einfach, leicht erlernbar (ca. 2 Minuten für die ersten Schritte) und spektakulär, wenn die Meister rangehen. Dann werden akrobatische Elemente eingebaut, wie sie der Rock’n Roll oder davor der Swing kennen. Auch das spricht eigentlich für die amerikanische Variante der Legende. Doch gerade die Einfachheit des Grundschrittes macht Forró zu einem Tanz für alle, ”For all“ – sozusagen. Vamos!

Music for Maids and Taxidrivers