Archive for the 'Europa' Category

Vom Kurs abgekommen…

Tuesday, July 8th, 2008 Latitude: S Longitude: E

Kurswagen sind eine wundersame Sache. Wie Vagabunden fahren sie kreuz und quer über unseren Kontinent – heutzutage nurmehr Nachts, als Schlaf- oder Liegewagen. Das gibt ihnen einen noch zwielichteren Anschein, geradezu wie ein Unrasierter, der abends in eine Bar kommt, in der er noch nie gesehen worden war und wo er sicherlich nicht noch einmal auftauchen wird.

Kurswagen werden “bereitgestellt”, “angehängt”, “abgekoppelt” und am Ende wieder “abgestellt”, damit am Abend drauf die Reise weitergehen kann. Mein Kurswagen, Ziel der ehrenwerte Münchener HBf, wurde auf Gleis 3, kroatisch “Peron”, in Rijeka “bereitgestellt”. Montag abend sind solche Züge nicht einmal zur Ferienzeit voll, es war schwül, es fing an zu gewittern, kurz vor der Abreise, die dann doch nicht stattfand. Es regnete, blitzte, donnerte, der ganze Himmel über Rijekas Bahnhof und dem dahinter liegenden Hafen schien in Aufruhr. Unser Zug, unser Kurswagen, ruhte.

Der Sturm hatte, so hieß es bald, einen Baum auf die Oberleitung der Strecke geworfen. Ersatzbusse, Ersatzzüge, Hotelübernachtungen summte es im Gang vor dem Abteil. Voll gewahr, dass ich weder zur Situation beitragen, noch zu ihrer Erleichterung hätte etwas entnehmen können, streckte ich mich in meiner Koje aus, leise schwitzend.

Später dann, woher auch immer, hatten die kroatischen Eisenbahner eine Diesel-Lokomotive vorgespannt, statt der elektrischen. So würden wir über die Schadstelle kommen, nachdem Baum und Oberleitung weggeräumt wären. Jetzt ging es raus aus Rijeka, einmal um den Teil der Bucht, der von der weitläufigen Hafenstadt eingenommen wird, um Höhe zu gewinnen. Unter uns die Lichter der Stadt, orange funkelnd, über uns Sterne, dazwischen die restlichen Wolkenschleier des Gewitters und schwarze Nacht, der Zug, hoffnungsfroh bergan.

Am morgen dann das seltsame Erwachen des Reisenden, der sich nicht mehr bewegt. Aus dem Schlaf heraus in die Stille eines Abstellgleises, Bewegungslosigkeit, wo eigentlich das Ruckeln der Drehgestelle herrschen sollte. Der Blick aus dem Fenster: die Tristesse eines Güterbahnhofs im slowenischen Regen, Ljubljana, Laibach, am Ende von Gleis 5. Unsere Kurswagen, abgestellt, abgehängt, den von Belgrad kommenden Nachtzug nicht erreicht, es ist sechs Uhr morgens.

8:05, so der Fahrplan, kann es weiter gehen, mit dem Intercity nach Villach in Österreich, von dort mit dem EC nach München oder weiter nach Köln und Dortmund. Wir verlassen unsere gestrandeten Kurswagen, Vagabunden der Nacht, der Schaffner entschuldigt sich, er hat sein bestes getan, das weiß er. Höhere Gewalt und kroatische Kreativität, woher kam nur die Diesel-Lokomotive so spät am Abend. Und woher die elektrischen, die uns angeblich nachts von der kroatisch-slowenischen Grenze bis in die Hauptstadt gebracht haben soll? Wer weiß das schon, vielleicht haben die Kurswagen ja ihren Weg auch alleine gefunden…

Best Internet in Rovinj, Croatia

Sunday, July 6th, 2008 Latitude: S Longitude: E

2008 07 05 12 19 14 Rovinj

Finally found the entrance… or at least a sign pointing to it…

The best place for people to get onto the internet using WiFi and a Laptop in Rovinj is most probably this place:

Internet in Rovinj

Arriving in Rovinj, Croatia

Sunday, July 6th, 2008 Latitude: S Longitude: E

Route

You might want to complain about the bumpy boat ride with these speed catamarans from Venice to the Istrian coast; about three hours of almost flying and it’s in the “almost” the bumpyness lies: These speed boats glide on top of an hover cushion that is create between their two hulls, and the ride feels like on a straightened roller coaster in desperate need of rail maintenance. But I felt I wouldn’t want to trade in the arrival for one at even the best of the many air terminals I have been to. It’s my first time in Croatia and if the gods admit, it will not be my last one.

2008 07 03 20 37 35 Rovinj

Rovinj is just a very beautiful spot and I can’t wait to come back ridin’ a true moto down along the coast. Yesterdays short trip on a scooter gave me enough of a taste what it will be like…

Leaving Venice

Sunday, July 6th, 2008 Latitude: S Longitude: E

2008 07 03 14 52 02venice i

The “Enfield” strikes back!

Wednesday, June 25th, 2008 Latitude: S Longitude: E

19062008678Enfield fahren lernt man nicht an einem Nachmittag, Gespann fahren auch nicht. Aber, um mit den Worten meiner segensreich weisen Fahrlehrerin Heike zu sprechen: “nu haste so lange drauf gewartet, jetzt wirste ja auch noch Zeit haben…”

Immerhin, die kürzlich aus Neuproduktion übernommene Royal Enfield “Bullet de Luxe” kann sich angenehm messen mit dem Gefährt, auf dem ich seinerzeit den Entschluß gefasst hatte, nach der motorisierten Zweirädrigkeit zu streben. Das liegt nun 26 Jahre zurück, es handelte sich um eine Maico, die zu der Zeit so alt war wie ich, 14 Jahre, Baujahr ’68 also.

Hier und jetzt also die Enfield, Baujahr 2008, Herkunft: Indien, ehemalig britisches Königreich und das ist dann schon wichtig, denn bei der Maschine handelt es sich um die Fortsetzung englischer Ingenieurskunst mit indischen Mitteln, sprich: das Ding wird quasi seid üer 50 Jahren nahezu unverändert gebaut. Meine Enfield ist definitiv eine der letzten ihrer Art, so ungefiltert darf man heute angesichts der Erderwärmung nicht mehr rumstinken. Ich werde Kilometer schinden durch Zuhause bleiben, damit ich halbwegs guten Gewissens zum Ausgleich rumballern darf. “Made like a gun!” ist der treffende Slogan, noch aus der Zeit, als Enfield, wie so viele andere der britischen Motorradwerke, eine Waffenschmiede war. Jede Zündung ein Schuß, der Halbliter-Einzylinder liefert genau diesen Sound.

Gespann Royal Enfield

Noch eine Waffenparalelle: Fährt man die Bullet so wie ich als Gespann, schmerzt einem die Schulter anfänglich wie vom Rückstoß beim Gewehr-Schießen. Handelt sich allerdings um einen Folgeschaden unzureichender Vorbereitung durch Kraft-Training. Das Gespann, Seitenwagen rechts, verhält sich wie eine gut-konservative Partei: Jeder Weg ist recht, nur rechts rum muß es gehen. Man muß also ständig gegenlenken, das schmerzt. Jetzt könnte ich noch Vergleiche mit der derzeitigen Regierungs-Koalition anstreben, lass ich aber mal, man soll ja solche Allegorien nicht überdrehen.

Den Motor der Enfield übrigens auch nicht. Einfahren muß sein. Jungfernfahrten gerne langsam und möglichst vibrationsarm ist die Vorgabe. Lustiger Gedanke, spätestens nach den ersten 50 Kilometern lächelt man mit klappernden Zähnen. Der Einzylinder mit seiner Wucht… Das sanfte Geschüttele hat den auch auf dem ersten Ausflug einen interessanten Wechsel der Fortbewegungsmittel mit sich gebracht: im südindischen Madrass waren die Schrauben nicht ausreichend nachgezogen worden, hier hat’s auch keiner gemerkt, nach 150 Kilometern war das Getriebgehäuse lose, ein Einfüllstutzen lag blank.

Abschleppwagen

Der Mann mit dem Abschleppwagen war dann aber begeistert: Tolles Gefährt und so viele Möglichkeiten, die Spanngurte festzumachen. Jedem seine kleinen Alltagsfreuden. Für meine Tochter gab’s zur Überbrückung der Wartezeit ein Eis, ich habs als Zen-buddhistische Übung genommen.

Überhaupt: Mit derlei Drittwelt Low-Tech unterwegs zu sein, schärft den Blick fürs Wesentliche. Meine derzeitige Aufgabe besteht darin, für just solche Länder, wie das, aus dem die Enfield stammt, Entwicklungsprojekte zu entwerfen. Mein Motorrad ist mir dabei ständige Erinnerung an die Wahrheiten, mit denen man dort konfrontiert ist: Low-Tech, Low-Tech. Low-Tech. No-Tech. Kein ADAC, den müsste ich mir noch wegdenken. War dennoch froh, dass er da war.

Beim Importeur in Zülpich, der Heimatwerkstatt des chrom-schwarzen Monsters, versichert man mir glaubhaft: “sowas haben wir noch nicht gehabt.” Klingt nach “Ansonsten ja viel, aber das noch nicht…!” Freitag ist sie wieder so weit, dann darf ich wieder den Kampf gegen die Kompression aufnehmen. Als echter Held des indischen Alltags hab ich natürlich auf den durchaus inzwischen erhältlichen Elektrostarter verzichtet. Das heißt: Kompressionshebel drücken, Zylinder per Starthebel so drehen, daß er nachgiebig ist, dann Hebel wieder auf normal, und volle Wucht auf den Kickstarter. Der heißt so, weil er zurück kickt, wenn man oben genannte Prozedur nicht beherzigt hat. Dann schlägt das Imperium (gewesenes) zurück, die englisch-indischen 500 Kubik wandeln die Tretkraft des Piloten in einen kräftigen Wadenhieb um, qua des gesamten halben Liters Luft, der da komprimiert wurde…

Wenn einem der Motor an der Ampel ausgeht (was einem Anfänger wie mir regelmäßig passiert), ist man fällig. Nerven bewahren hilft, Enfield starten macht man nicht mal so eben im Bruchteil einer Grünphase. Die Mischung aus Bewunderung und Bedauern der Umstehenden und Wartenden ist dann schon fast körperlich zu spüren. Meet you Buddha: Kompression weg, “Oberer Totpunkt”, Kompression zurück, beten, treten – und dann recht sensibel am Gas.

Unterwegs dann spontane Nirwana-Zustände, reinste Motorradmeditation: Du brauchst nicht denken, fahren reicht. Wind, Straße, Regen, schmerzende Muskeln, Sonnenstrahlen und das ständig satte Wummern von unten, kilometerweise Spaß am Nicht-Ankommen.