Archive for the 'Afrika' Category

Landung auf Mt. Karisimbi

---> Wo ist das?

Saturday, December 16th, 2006 Latitude: -1.52692S Longitude: 29.45709E

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Mit dem Helikopter zum Karisimbi

---> Wo ist das?

Monday, December 11th, 2006 Latitude: -1.52692S Longitude: 29.45709E

2006-12-06_08-20-19_Kigali_RwandaNormalerweise sind Konferenzen Raumschiff-Expeditionen. Man wird eingeflogen, abgefüttert, ausgeflogen. Der Großteil der Bewegung wird vom Aufzug durchgeführt, der einen zwischen Konferenzraum, Restaurant, Bar und dem eigenen Zimmer hin- und herbewegt.

Die Pan-Afrikanische-Digital-Radio-Mondiale-Konferenz macht eine angenehme Ausnahme dahingehend, dass sozusagen das Damenprogramm auch (und besonders) für die Herren durchgezogen wird: Der Tag unserer Ankunft ist für einen Besuch beim Station-Manager der DW-Kurzwellen-Relaystation in Kigali reserviert, der sich herzlichst um uns kümmert, bis hin zum gemeinsamen Mittagessen zusammen mit den Stationskollegen.

Am zweiten Tag ist die gesamte Delegation eingeladen, das Prestigeprojekt der ruandischen Regierung zu besuchen: Die digitale Sendestation auf dem Mount Karisimbi. Der Sprung von der vergehenden Gegenwart in die zukünftige wird in Helikoptern gemacht. Zwei Maschinen russischer Bauart warten am Flughafen auf uns, der Flug führt zunächst zu einem Golf-Ressort am Fuße der ruandischen Vulkankette. Dort wird zwischengelandet auf einem der Greens.

2006-12-06_11-21-07_Kigali_RwandaDa der Zielort auf ca. 4000 Meter Höhe liegt, muss in zwei Touren geflogen werden. Unser Pilot Gasana Godfrey erklärt, man müsse Gewicht reduzieren, damit zum Landeanflug genügend Kraft-reserven bleiben. Der Landeplatz ist kaum größer als zwei kleinere Busparkplätze nebeneinander, das ganze bei starkem Seitenwind. Als ich später unter einem der anfliegenden Helikopter zu stehen komme, bin ich dankbar für derlei Umsicht.

2006-12-06_08-35-26_Kigali_RwandaOben auf dem Platteau knapp unterhalb des Gipfels erwartet uns eine Schlammwüste sondergleichen, grün-weisse Wellblech-Hütten, dazwischen metertiefe Drainagegräben und „Wege“ aus Brettern, Bimssteinen und Alu-Profilen, die verhindern sollen, dass jeder Schritt in matschige Tiefen endet. Arbeiter zerschlagen Steinbrocken, Soldaten bewachen die Arbeiter und den digitalen Stolz dieser kleinen Republik. Rundherum rollende Hügel. Ein Kratersee funkelt wie ein schwarzer Smaragd. Am Horizont Vulkane, darüber afrikanisch-blauer Himmel und Cummulus wie mutierende Perlenketten.

2006-12-06_08-18-53_Kigali_RwandaZurück geht es vollbesetzt, der Abflug sei die einfachere Übung: Rauf und weg – simpel. Zwischenstop im „Gorilla‘s Nest“, ein weiteres Projekt der Regierung, diesmal zum Anlocken von Touristen. Enttäuscht wird dabei kaum jemand, wie mir ein Amerikaner später auf dem Flug von Kigali nach Nairobi bestätigt. Frühstück auf der überdachten Terrasse, eine Ansprache des agilen Ministers für Informationstechnologie, der uns begleitet hat. Dann zurück in die Maschine.2006-12-06_11-52-23_Kigali_Rwanda

Godfrey verspricht mir, foto-gerecht an der Relay-Station vorbeizufliegen und weißt seinen Assistenten an, mich an der offenen Tür fotografieren zu lassen. Wir umrunden die Antennen gleich eineinhalb mal, der Verschluss meiner Kamera macht den Rotorblättern Konkurrenz. Danach: glatte Landung, die erste Hälfte des Konferenztages ist überstanden.

Schiphol – Nairobi

Monday, December 4th, 2006 Latitude: S Longitude: E

Unterwegs nach Afrika, Zwischenstop in Amsterdam Schiphol. Über die Lautsprecher läuft die immergleiche Ansage, einzig die Namen der Passagiere sind ausgetauscht, manchmal ändert sich die Sprache, Englisch ist immer dabei: „Mr. So-and-so, travelling to XY, you are delaying the flight. Please report at Gate X immediately. We will proceed to offload your luggage“.

Sie verzögern den Flug. Gehen Sie aus dem Weg, wir wollen losfliegen. Schöner Gedanke. „Mr. Hirschler, travelling to Nairobi, you are delaying the flight…“

Auf dem Weg zum Zoll noch am Buchladen Paul Theroux‘s „Dark Star Safari, Overland From Cairo to Cape Town“ gekauft. Mit gemischten Gefühlen, Lese-Vorfreude ist aber auf alle Fälle dabei.

Reisen bildet

Wednesday, December 21st, 2005 Latitude: S Longitude: E

Paul Theroux gehört zu den (Reise-) Schriftstellern, die am meisten Eindruck auf mich gemacht haben im vergangenen Jahrzehnt. In der Süddeutschen ist heute ein von ihmr verfasster, sehr bemerkenswerte Artikel zu lesen zum Thema “Gutmenschen und Afrika”:

Nix Gutes von Bono
Das Beste wollen, aber das Schlechte schaffen: Nicht nur der ewige Gutmensch Bono und Erst-Nerd Bill Gates schaden Afrika mehr, als sie dessen Not lindern.

AfroBahia

---> Wo ist das?

Thursday, October 27th, 2005 Latitude: -12.976488S Longitude: 38.510395W

Salavador gilt als afrikanischste Stadt Brasilien. Die erste Hauptstadt der ehemalig en portugiesischen Kolonie und Zuckermetropole des Landes war gleichzeitig auch wichtigster Hafen für den Sklavenhandel. Die Bevölkerung ist größtenteils Schwarz – in allen denkbaren Schattierungen.

Drei afrikanische Kulturinstitute markieren die Verbundenheit mit dem Kontinent auf der anderen Seite des Atlantiks, das “Casa do Benin“, das “Caso do Nigeria“ und nicht zuletzt das “Casa de Angola“. Drei verschiedene Länder, drei verschiedene Häuser, ein Problem: Kein Geld.

Das Casa do Benin liegt mitten in der Altstadt, an einer lebendigen Kreuzung, mit vielen offenen Fenstern zur Strasse hin. Das Gästebuch verzeichnet viele Besucher aus Übersee: Frankreich, Deutschland, Niederlande, dazwischen immer wieder Brasilianer aus anderen Teilen des Landes – Rio, São Paulo, andere Großstädte. In Vitrinen sind Alltags- und Kulturgegenstände von beiden Seiten des Atlantiks ausgestellt. Auf Fotografien kann man die geistigen Väter des Projektes bewundern: Allen voran Pierre Verger, französischer Photo- und Ethnograf, der Kultur und vor allem religiöse Strukturen auf beiden Seiten des Südatlantiks in einem epischen Werk analysiert und dargestellt hat. Aber auch der Baiano Gilberto Gil, Musiker, Popstar und zur Zeit Kulturminister Brasiliens.

Die Bilder sind alt und verblichen, das gleiche gilt auch für die Idee, die hinter diesem Haus der brasilianisch-afrikanischen Kultur steht. Die Direktorin Rosa Vieira de Melo beklagt den Mangel an Geldern und politischer Unterstützung. Gegründet wurde das Caso do Benin Ende der 1980er Jahre, finanziert wird es vom Staat Bahia und der Gemeinde Salvador. In der Praxis fehlt es an allem: Kein Geld für Projekte, kein Geld für Veranstaltungen, kein Computer, kein Internetanschluß, um mit Benin zu kommunizieren. Kein Kontakt mit Benin.

Nachdem anfänglich ein lebendiger Austausch stattgefunden hatte, herrscht nun seit einigen Jahren Funkstille. Als vor einiger Zeit der Ministerpräsident Benins privat zu Gast war in Salvador, stolperte er eher zufällig über das ”Haus von Benin“. Die Regierung dort hat das Projekt schlicht vergessen. Dass Benin frankophon, Salvador hingegen lusophon ist, daß man zwar kulturell eine gemeinsame Ebene hat, aber sprachlich getrennt lebt, mag dazu beigetragen haben.

Nur wenige Meter weiter: Das Haus Nigerias. Nigeria, Heimat des Volkes der Yoruba und der afrikanischen Gottheiten, die in der Kultur Bahias eine zentrale Rolle spielen. Von aussen ist das Kultur-Haus kaum als solches zu erkennen: Ein Schild, das in den anderen dieser Altstadtstrasse mit ihren Souveniershops untergeht. Die Türe verriegelt, auf Nachfrage wir mir bestätigt, dass selten jemand, meißt niemand anwesen sei.

Im Taxi zum ”Casa de Angola“, dem ”Haus Angolas“ in Salvador. Der Taxifahrer kennt es nicht, ich muss ihm den Weg zeigen. ”Casa de Angola“ steht prominent über dem Eingang, in Silberlettern, an dieser lebendigen Einkaufsstrasse in der Innenstadt. Im Eingang im Erdgeschoß eine Büste des angolanischen Staatsgründers, eine Plakette, die an die Gründung des Hauses 1999 erinnert. Eine weitere: ”Staatspräsident José Eduardo dos Santos besuchte dieses Haus am 2. Mai 2005.“ Doch auch er brachte, so berichtet mir Jucelina Nascimento, die Koordinatorin des Hauses, auch dos Santos brachte kein Geld mit. Dennoch: Das Haus erscheint lebendig. Es gibt eine kleine Bibliothek, eine Ausstellung, einen Seminarraum. Das die Versammlungen vom Lautsprecher-Geschäft des Nachbarns nur zu häufig gestört werden, ist nur eines der Probleme, die Juscelina gerne lösen würde.

jucelina

Immerhin hat man einen regelmässigen Kontakt mit Angola, auch wenn man immer wieder mit Nachdruck die notwendigen Dinge einklagen müsse. Die Zusammenarbeit ist nicht leicht, aber immerhin, sie existiert. Man bestellt Bücher, vermittelt Anfragen, meistens von Akademikern, organisiert Filmvorführungen- und Theaterstücke. Juscelina ist viel im Hinterland unterwegs. Dort knüpft sie Kontakte, plant und organisiert Veranstaltungen, damit die Verbindung zu Angola auch über die Hauptstadt des Bundesstaates hinaus erlebt werden kann. Mehr und mehr soll das Haus auch zu einem spirituellen Zentrum werden, afrikanische und brasilianischen Candomblé-Zeremonien zusammenbringen. Und noch einen Traum hat sie: Ein Bürger-Radio zu gründen, um so die Menschen noch besser zusammen und die eigene Sache vorran zu bringen.