Hi-Tea in Kuala Lumpur

---> Wo ist das?

March 13th, 2008 Latitude: 3.144373N Longitude: 101.680312E

Ruhe in Kuala Lumpur? Man findet sie – wenn man weiß, wie man hin kommt und den Weg dahin erklären kann. Dann eröffnen sich einem neue Erkenntnisse – zum Wesen der Schwed(inn)en, Briten und anderen Weltenbürgern.

Der Taxifahrer weiss nicht genau wo es ist, die Karte im Reiseführer verhilft ihm wenigstens zu einer groben Idee. Und dennoch, zwischen den Wolkenkratzern der Metropole winden sich die Straßen wie Gewürm im Kompost und selten ist Geradeaus die richtige Richtung, wenn man etwas erreichen will, was in Luftlinie vor einem liegt.

Ich versuche, anhand der beiden höchsten Gebäude, Twin Towers und dem Fernsehturm, irgendwie auszumachen,wo wir gerade unterwegs sind, als völlig unerwartet die Abzweigung auftaucht, die uns ans Ziel führt: Lake Gardens und darin die ehemalige Residenz des britischen Gouverneurs zu Kolonialzeiten. Heute ein Luxus-Hotel, inmitten einer Parklandschaft, Ruhepol im Chaos.

Die Residenz des Britischen Gouverneurs in Kuala Lumpur
Eine feste Burg ist mir meine edle Residenz…

Prachtvoll-dezent, kein Widerspruch an diesem Ort, es wird einem immer Grandesse vermittelt, das ganze jedoch zurückhaltend, Understatement ist das Schlüsselwort. Die Veranda des Speisesaals öffnet zum Park hin, links und rechts zwei Separées, in der Mitte zwei Gruppen von Korbsesseln, wir nehmen Platz auf der einen Seite, auf der anderen residieren bereits zwei Damen mittleren Alters, die sich im Schwedisch der feineren Stockholmer Gesellschaft unterhalten.

Die Karte wird gereicht, das Menü, die Zeremonie ist immer die gleiche. Wir wählen unsere Teesorte und bitten um die Tee-Tafel aus Sandwiches, Apple-Crumble, süßen Kleinteilen, die umgehend auf einer Etagère gebracht werden, danach folgen Scones, eine Art Hefeteig-Muffins, die von einer Erhabenheit sind, dass sie jeden Bäckerlehrling in die Knie gehen lassen. Dazu gibt es zwei Sorten Marmelade sowie Sahne, die so punktgenau geschlagen ist, dass sie eben gerade nicht Schlagsahne ist, sondern immer noch cremig.

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Rechts im Bild Kollege Thorsten K., der dieses Kleinod aus den Tiefen des “Lonely Planet”-Reiseführers hervorgeholt und am Wochenende bereits einmal angetestet hatte.

Wir genießen, parlieren und lauschen dem Geplauder vom Nachbartisch, während im Park der Spätnachmittag-Regen niedergeht und die Kellnerin dafür sorgt, dass unsere Teetassen gefüllt sind. “May I?” und “Do you want some more…?”, alles sehr vornehm, dabei ausreichend relaxed, dass es auch Spaß macht.

Zu Gouverneurs Zeiten wäre unser Benehmen vielleicht nicht durchgegangen (Isst man Scones mit Messer und Gabel? Oder bricht man sie mit der Hand auf? Fragen über Fragen….). Leckere Kekse runden das Mal ab – und: eine Erdbeere.

Die Rückkehr in das, was sie hier Zivilisation nennen? Leider sei es gerade nicht möglich, ein Taxi per Telefon heranzurufen. Vermutlich ist es zu kompliziert, dem Fahrer zu erklären, wo er eigentlich hin soll. Uns wird angeboten, im Personalbus mitzufahren, um dann am Bahnhof umzusteigen.

Unsere Kollegin Heidrun klärt uns auf, als wir am Frühstückstisch davon berichten: “Da lässt man sich ja auch mit dem eigenen Wagen vorfahren und abholen!” Die beiden schwedischen Damen fanden das wohl auch. Den Personalbus lehnen sie höflich, aber mit Nachdruck ab, um sich per Handy jemanden heranzutelefonieren.

Wir klettern in die landesübliche Rumpelkiste, sehr zur Freude der Mitreisenden, ein letzter Blick auf die Terasse, die freundlichen Schwedinnen winken erfreut (und wohl auch erleichtert) zum Abschied, zwei Strassen weiter: das Chaos hat uns wieder.

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