K(l)eine Cola, sizilianisch

March 6th, 2007 Latitude: S Longitude: E

Mein Bruder verdient sein Geld an der Oper. Mittags pflegt er ab und an in einer kleinen Bar zu speisen, die ein ehemaliger Schuhmacher betreibt, nennen wir ihn Luigi. Luigi stammt aus Sizilien, wie seine Pasta-Rezepte, seine Passion für Schnauzbärte und seine Methoden, kleine Probleme großartig zu lösen.

Kürzlich saßen wir auf Luigis Fensterbank, im Schaufenster seiner Bar, hatten jeder eine Portion Spaghetti bestellt, unterhielten uns. Ich beobachtete aus dem Augenwinkel, was auf der Straße vor sich ging. Luigi ließ auf sich warten, es dauerte, so lange, wie es eben dauert, zwei verschiedene Portionen Nudeln zu kochen, anzurichten, aufzutragen. Vor dem Fenster waren Straßenarbeiter mit Asphaltieren beschäftigt. Die Nudeln kamen.

Mein Bruder bestellte “eine kleine Cola”. Luigi brachte ein randvolles Glas dunkel schimmernder Flüssigkeit. Keine Bläschen. Dunkelrubinroter Glanz. “Cola?”. “Hab’ ich jemals in meinem Leben Cola getrunken? Zum Essen?”

Luigi senza licenza mag nur ungern eine unvollendete Mahlzeit kredenzen. Und so gibt es die “Kleine Cola” für einen Preis, der einem veritablen sizilianischen Landwein gut steht, für einen Euro. Das kostet der Espresso übrigens auch, und den nahmen wir dann zum Abschluss zu uns.

Dieser Eintrag hat übrigens keine Nennung von Längen- und Breitengrad, die bei andere Beiträgen (direkt unterhalb der Überschrift) Klarheit über den Ort des Geschehens bringen. Er ist deswegen auch nicht auf der Travelogue-Weltkarte verzeichnet, die man auch über die kleinen blauen Eckchen aufrufen kann, rechts unterhalb der Einträge. Wir wollen ja niemand auf die Idee bringen, mal nachzugucken, wo dieser Luigi, wie wir ihn hier nennen wollen, seine kleine Cola ausschenkt, senza licenza.

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