Archive for January, 2006

Brasilianische Post macht Fortschritte

---> Wo ist das?

Wednesday, January 4th, 2006 Latitude: 50.92099979703473N Longitude: 6.921257972717285E

Aus Brasilien erreicht uns dieser Tage Dank für ein Buch, welches wir an Freunde gesandt hatten. Nach zwei Atlantiküberquerungen – keine davon wirklich notwendig – hat es nun seinen Bestimmungsort erreicht, Mariana in Minas Gerais.

Ausgangspunkt der Reise war Paraty, an der Küste zwischen Rio und São Paulo. Dort hatten wir den Bildband über historische deutsche Fotografen in Brasilien in einer kleinen Buchhandlung entdeckt. Wir wollten ihn nach Mariana schicken, als Dank für die Gastfreiheit, die wir dort genossen hatten und die maßgeblich für unser angenehmes Ankommen in diesem Lande steht.

Der schwere Bildband war bald verpackt, adressiert und zur Post gebracht. Selbige ist in Brasilien eine dankbare Mischung aus postalischer Genau- und brasilianischer Menschlichkeit (Hat jemand jemals die Telefonnummer seiner deutschen Postfiliale herausbekommen, um nachfragen zu können, wo sein Paket abgeblieben ist? – Ich hab’ eine solche von einer Filiale in Copacabana, Rio, Brasilien. “Weil ja die Servicenummern aus dem Ausland nicht funktionieren…“, wie eine Mitarbeiterin pragmatisch feststellte.) Entsprechend galt es Formulare auszufüllen, mit Angaben zu Inhalt, Wert und vor allem Absender und Adressat.

Wir gaben die brasilianische Adresse unserer Freunde in Mariana an – per Postauto etwa eine Tagesreise entfernt von Paraty. Und unsere Heimadresse in Deutschland als Absender. Falls etwas schief gehen sollte. Es sollte schief gehen – und zwar gründlich.

Nachdem das Porto bezahlt war, verließ das Paket unser Blickfeld – welches es aber einige Wochen später wieder betreten sollte. Eines Tages lag es beim nach Hause kommen im Briefkasten. Ein brasilianischer Postmitarbeiter hatte den deutschen Absender und die brasilianische Adresse getauscht. Damit das Paket mit brasilianischem Absender und deutscher Adresse aus Brasilien nach Deutschland gesendet werden konnte. Und nicht etwa mit deutschem Absender aus Brasilien nach Brasilien. An einen brasilianischen Adressaten. “Alles sehr verwirrend, was die da auf dem Begleitzettel notiert haben.” Wird er gedacht haben, wenn überhaupt.

Die Deutsche Post sah sich ausserstande, den Fehler ihrer brasilianischen Kollegen kostenfrei auszubügeln. Ein weiteres mal mussten Formulare ausgefüllt, Porto entrichtet und gehofft werden, dass es nun dieses Mal klappe. Kurz nach Weihnachten (Timing!) dann die erlösende Dankes-Mail aus Mariana:

”Recebemos o lindo presente. obrigado pelo livro. e’ lindo!“

Und die Moral von der Geschicht? – Früher war alles besser. Zu Zeiten, als Post noch per Maultier von Paraty nach Mariana transportiert wurde, auf der ”Estrada Real”, dauerte die Reise 24 Tage, weniger als ein Monat. Das ist ungefähr die Hälfte dessen, was unser Buch heute gebraucht hatte.