Durch die Alborz-Berge zurück nach Teheran

---> Wo ist das?

December 14th, 2005 Latitude: 35.584176N Longitude: 51.792297E

Morgennebel liegt über den Feldern, als wir uns zur Abfahrt bereitmachen. Am Strand ein letzter Blick aufs Meer. Die Sonne dringt durch und taucht zwei Fischersleute in perlmuttweiches Licht. Auf der Fahrt entlang der Küste, durch die Orte und Städtchen, ist wenig von der Fischerei zu sehen.

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Kaum Boote, Netze, Fischläden. Reisfelder und Citrusplantagen wechseln sich ab, je weiter wir nach Osten fahren entlang der Südküste des kaspischen Meeres, um so näher rücken die Berge heran.

Erst in der Nähe von Chalus, wo die Straße nach Teheran von der Küste abbiegt, bieten unzählige ambulante Verkäufer ihre Ware an. Bis hoch in die Berge versuchen die Verkäufer die Fische loszuschlagen an die, die nach Teheran zurückkehren von ihren Wochenendausflügen.

Oftmals ist es nicht mehr als eine Pappe auf dem Asphalt, auf dem der frische Fisch ausgelegt wird. In Plastiktüten oder einfach in der Hand werden die silber, rot oder violett glänzende Körper hochgehalten. Wie lange sie schon in der Sonne gelegen haben, im Staub und den Abgasen der vorbeifahrenden Autos?

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Jetzt sind wir in den Alborz-Bergen, durch ein mit Pappeln locker bewaldetes Flusstal steigt die Straße hoch, bald in baumfreie Höhen. Auf der ganzen Strecke sind massive Arbeiten für eine Autobahn im Gange, stellenweise wird das ganze Tal umgepflügt. Es wird gemunkelt, der Name der neuen Straße stünde schon fest, sie werde den Namen des amtierenden Regierungschef tragen. Mit dem Vorsatz “Märtyrer”. Soll heißen, sobald man sich von oberster Stelle seiner entledigt hat, beispielsweise durch einen fingierten Unfall. Der Mann sei ein “Betriebsunfall” der Mächtigen, so die Begründung. Der Wahrheitsgehalt solcher Geschichten bleibt uns verschlossen.

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Oben auf dem Pass, in 2500 Meter Höhe ein Tunnel, an dessen Südportal sich ein Parkplatz anschließt. Wo Platz ist, wird geparkt, in der Mitte ist eine improvisierte Suppenküche aufgebaut. Wir staunen und ärgern uns über den allgegenwärtigen Müll, genießen die Bergluft und die Bewegungsfreiheit nach der stundenlangen Fahrt, als uns eine junge Frau auf Englisch anspricht. Das Interesse ist gegenseitig, ein angeregtes Gespräch entwickelt sich über ihre Ausbildung, unseren Besuch hier im Iran. Ihre Schwester gesellt sich dazu, Ihr Bruder fotografiert, die Eltern beobachten das Treiben aus der Distanz.

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Von der Passhöhe geht es in rasanter Fahrt ins Tal hinab. Es wird an den unmöglichsten Stellen überholt. Freitags, wenn alle zurück nach Teheran fahren, ist die Straße ab mittags von Süden her gesperrt. Dennoch kommen noch vereinzelt Autos entgegen. Wir bitten unseren Fahrer um Rücksicht, er fügt sich. Später zeigen Polizisten entlang der Strecke an, dass nun wirklich freie Fahrt bergab auf beiden Straßenseiten möglich ist. Jetzt fügen wir uns in unser Schicksal. Wie Murmeln, die auf einer wild gebogenen Rutsche bergab kullern, stürzen die Autos talabwärts. Am Ende: Teheran mit seiner Abgasglocke, der Autoflut, seinem Straßenkrieg der Paykans, Peugeots und Mopeds.

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