Prairie Wind – on the Radio…

---> Wo ist das?

November 27th, 2005 Latitude: 51.428113N Longitude: 6.768608E
Als 13jähriger war ich nach Duisburg gefahren, aus der süddeutschen, damals heimatlichen Provinz ins elterlich-heimatliche Ruhrgebiet, als dieses noch berüchtigt war wegen seiner Umweltschäden und weniger wegen der schleichenden Vernichtung menschlicher Existenzen.Mein dort besuchter, etwa gleichaltriger Cousin mütterlicherseits zählte zu seiner LP-Sammlung auch “Comes a time” von Neil Young. Er zeigte mir die wenigen, damals als sehr kompliziert empfundenen Griffe auf der Gitarre, die es braucht, den Titelsong zu spielen. Vom Text verstand ich wenig, sehr wohl aber etwas vom Seinszustand, in den einen diese Musik versetzt. Oder den diese Musik so treffend zu begleiten vermag.Später erstand ich “Harvest”, erlernte weitere Songs und das fistelige Singen des Kanadiers. Machte mir die Brachialität seine Krachorgien à la “Live Rust” zu eigen, wenn meine innere, pubertäre Unsicherheit und die äussere, süddeutsche Provinzialität kollidierten. Irgendwann verlor ich Neil Young aus den Augen, aus den Ohren.Neil Young, Picture taken and (c) by rustovision

Neil Young machte weiter Platten, manche seltsam,

manche brilliant, denn “es ist besser zu verglühen, als zu rosten”.Neil Young ist von hier aus gesehen alt. Nicht rostig. Nicht zeitlos. In der Zeit, mit ihr mitgehend. Seine Musik, schnörkellos, schadlos gealtert, ist mir inzwischen wieder stetiger Begleiter. Mein Weg zurück war wie die Mäander eines Flußdeltas: Leonhard Cohen Songs, interpretiert von K. D. Lang, die eben auch Neil Young interpretiert: Kanadier unter sich.

Sein neues Album, “Prairie Wind”, wurzelt in Youngs Heimat Manitoba, in einer Gegend also, die Chris Whitley das “Big Sky Country” nennt.Entdeckt habe ich es im Zusammenhang mit der Radiosendung “World Café” von National Public Radio, die auch als Podcast angeboten wird. Als ich diese Sendung erstmalig gehört habe, wurde mir schlagartig klar, was ich vermisst habe beim Radiohören und -machen in den vergangen Jahren: Menschen, die Musik vor allem ernst nehmen als eine menschliche Ausdrucksform und weniger als Geldmaschine.

Neil Young war bei “World Café” zu Gast, berichtete von seinem Leben, seiner neuen Platte, seinem neuen Projekt: eine interaktive Retrospektive seines Schaffens, eine Art digitales “Neil Young Archiv” auf DVD mit Songs, Bildern, Memorabilia.Wenn ich heute reise, ist Neil Young wieder dabei. Auf meiner MP3-Kopie von “Powderfinger” ist ein für Vinylplatten typisches Knacken zu hören. Echo einer vergehenden Zeit.

Interview und Auszüge aus der Neuen Platte bei National Public Radio “World Café”.Neil Young “Prairie Wind”Chris Whitley, Living With the Law, mit dem Song “Big Sky Country”

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