Was ist Glück?

---> Wo ist das?

October 22nd, 2005 Latitude: -13.009544S Longitude: 38.526338W

Mein Freund Markus hat mich einmal mit dem Konzept des “Flow“ als Weg zum Glück vertraut gemacht. Im Grunde genommen sehr einfach zu erklären, bedeutet ”Flow“ etwas zu tun und dabei das Glück dessen zu empfinden, der in voller Kontrolle seines Tuns ist. Der etwas – bewusst oder unbewusst – so macht, das es, auf gut Deutsch ”einfach läuft“. Einfach, ohne im Moment des Handelns darüber nachdenken zu können.

Ein bahianischer Busfahrer hat mir gestern die Gelegenheit zum Einblick gegeben. Die Busse hier zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Strecken nur sehr kurz zusammen gefasst auf einem Schild verzeichnet sind, das zu lesen dem uneingeweihten kaum gelingt, während das Vehikel zum Einsteigen kurz anhält. Man muss sich also schnell entscheiden, ob man dort hin will, wo der Bus hin soll. Sitzt man dann drinnen, gilt es bald, ebenso schnelle Entscheidungen zu fällen, bezüglich des Aussteigens. Denn die Stops sind nur sehr kurz. Die Strecken dazwischen sehr lang.

Ich war auf dem Weg zum Strand-Vorort Bahias, nach Barra. Dort wollte ich beim Leuchtturm aussteigen, geplant war, einen möglichst pittoresken Sonnenuntergang abzuwarten und diesen zu fotografieren. Kaum taucht das beeindruckende Bauwerk, umrahmt von einer portugiesischen Kolonial-Feste auf, kaum habe ich am Schnürchen gezogen, um meinen Aussteigewunsch zu annoncieren – schon waren wir dran vorbei. Der nächste Halt: knappe 2 Kilometer weiter, die Rückseite des Ortes. Ich mache mich auf den Fußweg zum Strand – und bekomme den Leuchtturm zu sehen, einen in abendweiches Licht getauchten Strand, auf dessen Sand die einen Fußball spielten, in dessen Wellen andere surften. ”Flow“ überall, der Strom von Bildern, die meine Kamera aufzeichnete und mein glückliches Gefühl dabei: ein weiteres Indiz für das Konzept.

barrabeach

Die Sonne verschwand hinter den Wolken, ich widerstand der kleinen Versuchung aus indifferentem Pflichgefühl heraus das Seefahrtsmuseum im Leuchtturm aufzusuchen. Statt dessen die Busreise zurück ins Zentrum, diesmal ist die Endstation prominent genug, um am Kopf des Busses zu erscheinen. Auf dem Weg von der Bushaltestelle zur Altstadt lege ich einen Zwischenstop in der ”Cantinho Carioca“ ein, wo vier ältere Herren mit größter Freude ellenlange Chourinho-Stücke zum Besten geben.

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Klänge aus der Cantinho Carioca, Salvador

Die mäandrierenden Themen, ineinander geschachtelten Melodien der siebenseitigen Gitarre und der mandolinenartigen Bandolim auf einem Rythmus-Teppich, ausgelegt von der Tambor und dem Pandeiro: ”Flow“! Innerlich lächelnd mache ich mich nach einer Weile auf nach Hause, um zu duschen und mich auf den Abend vorbereiten.

FLOW

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