Rio, cidade perigosa!

---> Wo ist das?

October 20th, 2005 Latitude: -22.967758S Longitude: 43.182278W

Man kann ich Rio gefährlich leben. Das ist einfach. Ein Gang durch eine Favela, möglichst ohne Begleitung. In der Brandung von Ipanema schwimmen. Bus fahren.

Wollte sich Brasilien Chancen bei der Rally Paris-Dakar sichern, rate ich dazu, das Team mit einem Busfahrer aus Rio und seinem Kassierer als Copiloten zu besetzen. Letztere besitzen die notwendige Kaltblütigkeit, auch noch dann auf Ihren Sitzen einzuschlafen, wenn das Inferno des Straßenverkehrs um sie aufbrandet. Ihre Rolle ist es, von jedem den Einheitstarif abzukassieren und dann das Drehkreuz freizugeben, durch das sich die Passagiere ins Innere des Busses zwängen müssen.

Für die meißten Cariocas – so nennen sich die Einwohner Rios – ist die Enge des Drehkreuzes eine minderschwere Prüfung. Sie entsprechen dem europäischen Idealbild des Tropenbewohners, sind entsprechend schlank und rank. Eine zunehmende Zahl Brasilianer allerdings passt nur mit Mühen durch diese Schleuse, dank der weitverbreiteten Diät aus viel Fett und viel Zucker. Eßbares wird gerne frittiert oder von vorneherein mit Schmalz gebacken. Trinkbares ist immer gesüßt. Kleinere Bars am Wegesrand kennen nur eine Sorte Kaffe: Hier ist der “Cafezinho”, das Kaffechen, immer gesüßt, bis zur Unkenntlichkeit. Fragt man nach etwas ohne oder mit nur wenig Zucker, wird immer sofort auch der Süßstoff gereicht. Die Brasilianer haben eine Problem mit ihrer wachsenden Leibesfülle, nicht nur beim Busfahren.

Hat man seinen Obulus entrichtet und ist durch die Schleuse hindurch, kann man Platz nehmen. Das Spektakel hat dann schon längst begonnen, die Fahrer bemühen sich, die Stops so kurz wie möglich zu halten. Nicht das ein Fahrplan einzuhalten wäre. Ein solcher existiert nicht. Es geht darum, den besten Ausgangspunkt für den nächsten Sprint zu erlangen. Rio liegt langgestreckt und eingeklemmt zwischen den Morros, den Hügeln der Stadt und den Stränden. Viele der Buslinien verlaufen deswegen durch die gleichen Strassen und fächern sich erst an den Enden der Stadt auf.

Egal wo man sitzt oder steht, man halte sich fest. Jetzt heißt es für den Fahrer, den entscheidenden Vorsprung auf der Strecke zum nächsten Halt oder der nächsten Ampel zu erlangen. Zentimetergenau ergibt sich so eine chaotische Choreografie von Bussen, die versuchen, vom Strassenrand weg- oder hinzukommen. Jeder Versuch, von außen zu koordinieren, würde kläglich scheitern.

Am Ziel angekommen, beendet man den Höllenritt durch einen beherzten Sprung aus der Hintertüre. Woher man als Besucher weiss, ob man am rechten Halt angelangt ist? Dafür sorgt der Kassierer. Ihm teilt man zu Beginn mit, wohin die Reise gehen soll. Zur rechten Zeit weist er einem dann den Ausstieg an. Mit einer Freundlichkeit, die man in dieser rauhen Umgebung nicht erwartet hätte.

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